Ein Tag in Porto - ich bin verliebt

Es ist Mitte Februar. Genau zwei Monate ist es mittlerweile her, dass wir unsere Wohnung in Hamburg aufgegeben haben, und seit über einem Monat sind wir nun auf Reisen. Im Januar hatten wir ein kleines Häuschen auf Madeira, die ersten Wochen des Februars haben wir in der Nähe von Sintra am Meer verbracht. Haben Cascais, Lissabon, Sintra und die ganze Umgebung erkundet und sind nun bereit zum Weiterreisen. Doch bevor es für uns weiter an die Algarve geht, haben wir uns für einen Kurztrip nach Porto entschieden. Wenn wir schon mal hier sind, wollen wir die Gelegenheit nutzen und buchen 2 Nächte in einem Apartment mitten in Porto.

 Als wir dort am späten Nachmittag ankommen, sind wir sofort begeistert. Alleine der Hausflur ist zum Verlieben schön. Jugendstil und Stuck soweit das Auge reicht. Unser Vermieter führt uns die Holztreppe hoch bis unter das Dach. Hier oben treten wir durch Flügeltüren in eine kleine, lichtdurchflutete Wohnung ein. Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer sind ein Raum, doch durch die gute Aufteilung haben wir Platz genug und fühlen uns sofort wohl.

      

Die Wohnung haben wir über AirBnB gebucht und können sie wirklich sehr empfehlen. Der Preis ist super, die Lage perfekt - wir können am nächsten Tag alles zu Fuß erreichen.

 

Am Abend führt es in einen Barbershop um die Ecke, wo Tim sich die Haare schneiden lässt. Im Salon gibt es außerdem ein Tattoostudio, in dem wir spontan einen Termin für den nächsten Tag vereinbaren. Außerdem gibt man uns den Tipp, am Abend im Santiago essen zu geben. Hier soll es das beste Francesinha ( auf portugiesisch: kleine Französin) geben - ein traditionelles Sandwiches, das ursprünglich aus Porto stammt. Es besteht aus Toastbrot, Kochschinken, Linguiça (ähnlich der Chorizo), Beefsteak oder gebratenem Rindfleisch. Das Ganze wird dann mit geschmolzenem Käse sowie einer heißen, typischerweise dickflüssigen Sauce aus Tomaten, Bier und Senf übergossen und mit Pommes serviert. Eine Kalorienbombe? Nöö! Unser Fazit: Wir probieren einfach gerne landestypische Gerichte, aber sind auch nicht überrascht, dass Francesinhas einfach verdammt mächtig sind. Lecker, aber bräuchten wir nicht unbedingt jeden Tag.

 

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg ins Zenith, in dem wir bereits in Madrid gefrühstückt haben. Weil es uns damals sehr gut geschmeckt hat und wir die Atmosphäre mochten, freuen wir uns über die Filiale in Porto.

    

Wir werden nicht enttäuscht. Das Essen schmeckt so gut, wie wir es in Erinnerung haben. Wir bestellen Sandwich, veganes Shakshuka und Pancakes mit Oreos - so lecker!

 

Vor dem Zenith wird in diesem Moment ein Markt mit kleinen Ständen aufgebaut. Wir schlendern und bewundern allerlei Handgemachtes. Mein Favorit: zwei Mädels mit ihrem Schmucklabel Le Love . Ich verliebe mich in ein Paar Ohrringe, die mit müssen. Übriges sagt man uns, der Markt sei jeden Sonntag. Adresse: Praça de Carlos Alberto, 4050-526 Porto

  

Anschließend schlendern wir weiter die Gassen entlang und gelangen wenig später an eine Kirche, die uns bereits von außen Staunen lässt. Die blau-weiß gekachelte Fassade ist einzigartig schön. Als Azulejo bezeichnet man ein Bild aus zumeist quadratischen, bunt bemalten und glasierten Keramikfliesen. Die künstlerischen Fliesen sind fester Bestandteil der Stadtbilder und begleitet uns bereits durch ganz Portugal.

 

Wir entscheiden uns die Kirche von innen anzusehen und betreten einen Altarbereich reich an goldenen Verzierungen und einer aufwändig gestalteten Kanzel. Zusammen mit der benachbarten Kirche Carmelitas zählt die Kirche Carmo in Porto zu den national bedeutsamen Monumenten. Im Innern gibt es außerdem eine Ausstellung und man kann das schmalste Haus Portos besichtigen, das lange Zeit verborgen und unentdeckt im hinteren Teil der Kirche lag. Yuna ist fasziniert und wir freuen uns über ihre Neugier und ihren Entdeckergeist.

 

Adresse: Igreja do Carmo Praça de Gomes Teixeira 10 4050-011 Porto

 

Danach erkunden wir weiter die Stadt, lassen uns treiben, erkunden kleine Gassen, kommen an bunten Fassaden, verfallenen Häusern und verwunschenen Plätzen vorbei. Schließlich gelangen wir zu einem Park, der uns am Vorabend von unserem Vermieter empfohlen wurde. Von hier aus hat man einen grandiosen Blick über den Fluss und die Stadt. Außerdem machen wir hier eine Pause auf dem Spielplatz und Yuna kann sich eine Runde austoben.

     

Im Anschluss laufen wir langsam wieder Richtung Wohnung. Auf dem Weg bummeln wir durch die Einkaufsstraße Santa Catarina. Es ist Sonntag und nicht alle Läden haben offen, aber uns reicht ohnehin ein kurzer Schaufensterbummel. 

Auf dem Weg kommen wir an der Capela das Almas vorbei, die mit ihrer gefliesten blau-weißen Fassade ebenfalls ein echter Hingucker ist.

Adresse: Rua de Santa Catarina 428, 4000-124 Porto

 

 

Es ist Nachmittag geworden und deshalb Zeit für meinen Tattoo Termin. Wir machen und auf den Weg und erreichen den Shop (siehe oben) nach einem kurzes Fußweg. Der Tätowierer spricht kein Wort englisch, aber dank Handy und Übersetzer kein Problem und ich verlasse wenig später sehr zufrieden und glücklich und 2 Tattoos reicher den Salon.

    

Wir haben alle drei Hunger und entschließen uns in eine Markthalle auf die andere Seite des Flusses zu fahren. Wir parken oberhalb, laufen durch den Hafen Richtung Wasser und betreten wenig später die Mercado Beira-Rio - eine Markthalle mit Obst, Gemüse, aber vor allem vielen kleinen Ständen mit köstlichstem Essen. Wir bestellen verschiedene Kleinigkeiten und probieren uns durch. Okay - so schmeckt also der 7. Himmel. Wenn ihr dort seid, müsst (!!) ihr unbedingt zum Nachtisch die Brigadãos probieren. ... und mir welche mitbringen, ist ja klar, oder? 

 

     

 

Mein Fazit nach 24 Stunden Porto? Ich bin verliebt! Kennt ihr das? In manchen Städten springt der Funke sofort über, in anderen nicht. So geht es mir jedenfalls. Wenn ich mich in einen Ort verliebe, dann im Sturm. Porto umgibt ein außergewöhnlicher Charme. Vielleicht die Summe aus verfallener Schönheit, der Nähe zum Wasser, Straßenkunst und Jugenstilromantik, kleinen Gassen, schiefen Stufen und bunt gefliesten Häuser. Ein Stadtbummel fühlt sich ein bisschen an wie eine Zeitreise. Porto hetzt nicht – Porto schlendert, wirkt gelassen und hält zum gemächlichen Ankommen an. Diese Stadt erdet, steckt voller Magie und hat mich tief beeindruckt.

 

 

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